
Worin liegt der Unterschied zwischen den beiden Mitgefühlstrainings MBCL und MSC?
Wenn Sie sich fragen, worin der Unterschied zwischen MBCL (Mindfulness-Based Compassionate Living) und MSC (Mindful Self-Compassion) liegt, stehen Sie vielleicht an einem wichtigen Punkt:
Sie haben erste Erfahrungen mit Achtsamkeit gemacht (z.B. in einem MBSR-Kurs) oder möchten lernen, freundlicher und verständnisvoller mit sich selbst umgehen.
Genau an dieser Stelle setzen beide Programme an:
MBCL und MSC sind bekannte achtsamkeitsbasierte Mitgefühlstrainings mit jeweils acht Sitzungen und einem Vertiefungstag. Beide bieten Ihnen einen gut strukturierten Rahmen, um Mitgefühl zu kultivieren und mit Stress, Selbstkritik und schwierigen Gefühlen heilsamer umzugehen.
Und doch unterscheiden sie sich in einigen Punkten – besonders in der Frage, für wen sie gedacht sind und in ihrem inhaltlichen Schwerpunkt.
Was ist MBCL (Mindfulness-Based Compassionate Living)?
Mindfulness-Based Compassionate Living (MBCL) ist ein achtsamkeitsbasiertes Mitgefühlstraining, das gezielt auf bereits vorhandene Achtsamkeitserfahrung aufbaut (z.B. nach einem MBSR- oder MBCT-Kurs).
Es wurde von zwei wegweisenden Achtsamkeitslehrern aus den Niederlanden entwickelt: dem Psychiater und Psychotherapeuten Dr. med. Erik van den Brink und dem Vipassana Meditationslehrer Frits Koster. MBCL basiert auf ihrer langjährigen Arbeit mit MBSR und MBCT in der psychiatrischen Versorgung. Es integriert neben Elementen, die von den Begründer*innen des MSC stammen, unter anderem auch Elemente, die aus der Compassion Focused Therapy (CFT) von Paul Gilbert abgeleitet wurden.
Im MBCL-Programm wird Mitgefühl als innere Haltung kultiviert, die uns selbst genauso einschließt, wie andere Menschen, Tiere, die Natur und unseren Planeten. Durch die MBCL-Übungen vertiefen Sie Ihre Achtsamkeitspraxis und entwickeln Selbstmitgefühl und Mitgefühl mit anderen. Das stärkt Ihre Resilienz (also Ihre Fähigkeiten, konstruktiv mit Herausforderungen umzugehen und an ihnen zu wachsen) und auch Ihre Gesundheit.
Was ist MSC (Mindful Self-Compassion)?
Mindful Self-Compassion (MSC) ist ein eigenständiges Trainingsprogramm. Es wurde von der Psychologin Kristin Neff, einer Pionierin in der Forschung zu Selbstmitgefühl und dem klinischen Psychologen Christopher Germer, einem Experten auf dem Gebiet der Meditation und Psychotherapie, entwickelt.
Im Zentrum steht die Entwicklung Selbstmitgefühl, um eine freundliche und verständnisvolle innere Haltung gegenüber sich selbst zu entwickeln – besonders in schwierigen Zeiten.
MSC integriert grundlegende Achtsamkeitsübungen und ist so aufgebaut, dass auch Menschen ohne Achtsamkeitserfahrung teilnehmen können.
Gemeinsamkeiten von MBCL und MSC
Beide Mitgefühlstrainings…
- schöpfen aus vielen ähnlichen Quellen und verbinden Achtsamkeit und Mitgefühl auf säkulare Weise
- beinhalten evidenzbasierte, strukturierte Übungen die helfen, mit Stress und (emotionalem) Schmerz auf eine gesündere Weise umzugehen
- beziehen wissenschaftliche und klinische Erkenntnisse aus Psychologie und Neurowissenschaft ein
- unterstützen die Teilnehmenden dabei, ihre eigenen Unvollkommenheiten zu akzeptieren und eine freundliche, fürsorgliche und verzeihende inneren Haltung gegenüber sich selbst zu entwickeln
- integrieren Erkenntnisse aus der modernen Psychologie und altbewährten Übungen aus kontemplativen Traditionen (wie Metta-Meditation und Tonglen)
- zielen auf die Entwicklung der vier grenzenlosen Qualitäten des Herzens (Freundlichkeit, Mitgefühl, Freude und Gelassenheit)
- können in verschiedenen Kontexten eingesetzt werden (zur primären und sekundären Prävention, in Coaching, Beratung und Bildungswesen, im Personalwesen und im Management).
Sowohl im MBCL- als auch im MSC-Programm erwartet Sie ein Raum, in dem schmerzhafte Emotionen und innere Muster (z.B. von Selbstkritik) willkommen sind und als wertvolle Gelegenheiten für Wachstum und Heilung betrachtet werden.
Unterschiede zwischen MBCL und MSC
Trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es auch einige Untersschiede. Der zentrale Unterschied zwischen MBCL und MSC liegt in den Voraussetzungen für die Teilnahme und im Schwerpunkt des Programms.
Voraussetzungen
- MBCL ist als Aufbaukurs konzipiert und setzt voraus, dass Teilnehmende vorher an einem Achtsamkeitskurs (z. B. MBSR, MBCT oder MBPM/Breathworks) teilgenommen haben.
- MSC ist ein eigenständiges Programm. Sie brauchen also keine Vorerfahrung mit Achtsamkeit.
Schwerpunkt
- MBCL legt gleichermaßen Wert auf Selbstmitgefühl und Mitgefühl für andere.
- MSC fokussiert stärker auf Selbstmitgefühl.
Einbettung in die Achtsamkeitspraxis
- MBCL vertieft bereits erworbene Achsamkeitskompetenzen und erweitert die Praxis durch Mitgefühlsübungen.
- MSC vermittelt grundlegende Achtsamkeitsübungen als Teil des Programms.
Zielgruppen
- MBCL richtet sich vor allem an Menschen mit Achtsamkeitserfahrung, die ihre Praxis vertiefen möchten.
- MSC ist auch für Einsteiger*innen geeignet, die einen ersten Zugang suchen.
Lehrer*innen-Ausbildung
- MBCL-Lehrende haben bereits Unterrichtserfahrung und sind zertifizierte*r MBSR- oder MBCT-Lehrer*in. Sie haben einen ähnlichen Stil im Unterrichten und beim achtsamen Erforschen der Erfahrungen der Teilnehmenden (Inquiry). Durch MBCL erweitern Lehrende ihr Unterrichtsangebot auf der Grundlage von MBSR oder MBCT.
- MSC-Lehrende haben einen eigenständige Lehrer*innenausbildung absolviert. Es ist nicht Voraussetzung, MBSR- oder MBCT-Lehrer*in zu sein, um MSC-Gruppenkurse zu unterrichten. Sie müssen jedoch über eine fundierte und kontinuierliche persönliche Meditationspraxis verfügen.
→ Tipp: Einen detaillierten Überblick über die Themen MBCL-Kurses finden Sie im Blogartikel “Mitgefühl üben. Das große Praxisbuch zeigt Ihnen den Weg”
Für wen ist MBCL geeignet – und für wen MSC?
Die Antwort liegt in meinen Augen weniger in der Theorie als in Ihrer eigenen Situation.
MBCL kann besonders stimmig sein, wenn Sie…
- bereits an einem MBSR- oder MBCT-Kurs teilgenommen haben
- Ihre Achtsamkeitspraxis durch die Praxis von (Selbst-)Mitgefühl vertiefen möchten
- gerne anders mit hartnäckigen Mustern wie starke Selbstkritik und innerer Härte umgehen lernen wollen
- sich mehr Balance zwischen Selbstfürsorge und Fürsorge für andere wünschen
- Mitgefühl als innere Haltung stärker in Ihr Leben und Ihre Kontakte integrieren möchten
MSC kann ein guter Einstieg sein, wenn Sie…
- noch wenig oder keine Erfahrung mit Achtsamkeitsmeditation haben
- einen ersten Zugang zu Selbstmitgefühl suchen
- lernen möchten, besonders in schwierigen Momenten freundlicher und verständnisvoller mit sich selbst umzugehen
MBCL oder MSC – zwei Wege im Mitgefühlstraining
Beide Programme sind auf ihre Weise wertvoll – wie andere Mitgefühlstrainings auch. Es geht daher weniger darum, welches Programm „besser“ oder „richtiger“ ist, sondern vielmehr darum, welches Ihren aktuellen Bedürfnissen entspricht.
Auch die Begründer*innen beider Programme betonen, dass die Persönlichkeit, der Stil und die „Verkörperung“ der Lehrperson oft wichtiger sind als das jeweilige Programm.
Englischer Originaltext: Erik van den Brink und Frits Koster, Oktober 2017
Deutsche Übersetzung und Überarbeitung: Jana Willms
Ein nächster Schritt
Vielleicht möchten Sie sich nicht sofort entscheiden, sondern erstmal selbst erleben, wie sich Freundlichkeit und Mitgefühl in der Praxis anfühlen. Dann können Sie mit der 15-minütigen MBCL-Übung, dem Atemraum mit Freundlichkeit beginnen.
Wenn Sie sich vertiefend informieren möchten, finden Sie auf meiner Website weitere Hinweise zu MBSR- und MBCL-Kursen.
Kontaktieren Sie mich gerne, wenn Sie Fragen haben oder unsicher sind, welches Training für Sie stimmig ist.
Häufige Fragen zu MBCL und MSC
Was ist der Unterschied zwischen MBCL und MSC?
MBCL ist ein Aufbaukurs für Menschen mit Achtsamkeitserfahrung und verbindet Selbstmitgefühl und Mitgefühl für andere. MSC ist ein eigenständiges Programm mit Fokus auf Selbstmitgefühl und auch für Einsteiger*innen geeignet.
Ist MSC für Anfänger*innen geeignet?
Ja, MSC wurde so konzipiert, dass auch Menschen ohne Meditationserfahrung teilnehmen können. Grundlegende Achtsamkeitsübungen werden im Kurs vermittelt.
Brauche ich Vorerfahrung für MBCL?
Ja, ein vorheriger Achtsamkeitskurs (z. B. MBSR, MBCT oder MBPM/Breathworks) ist eine wichtige Voraussetzung, da MBCL auf diesen Erfahrungen aufbaut.
Welches Mitgefühlstraining ist besser?
Das hängt von Ihrer Situation ab. Wenn Sie schon Achtsamkeitserfahrung haben, kann MBCL eine stimmige Vertiefung sein. Wenn Sie am Anfang stehen, ist MSC ein guter Einstieg.
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