
Burnout-Symptome bei pflegenden Angehörigen: MBCL kann unterstützten
Manchmal beginnt Erschöpfung nicht mit einem plötzlichen Zusammenbruch. Sondern viel leiser.
Mit dem Gedanken: Ich mach das noch eben.
Mit einer Pause, die wieder ausfällt.
Mit einer weiteren Nacht, in der kaum erholsamer Schlaf möglich ist.
Mit dem Gefühl, innerlich immer weniger Raum zu haben.
Wenn wir einen schwerkranken Menschen begleiten oder pflegen, stellen wir unsere eigenen Bedürfnisse oft ganz selbstverständlich zurück. Nicht, weil wir unachtsam sind. Sondern weil die Situation ernst ist. Weil ein anderer Mensch Hilfe braucht. Weil Liebe, Verantwortung und Sorge eng miteinander verbunden sind.
So kann sich Erschöpfung nach und nach aufbauen – durch viele kleine Momente, in denen das Notwendige Vorrang hat und wir kaum Gelegenheit bekommen, unsere eigenen Kräfte zu erneuern.
Doch auch unsere Fürsorge braucht Kraft. Wenn eine belastende Situation lange anhält und wir kaum Raum für Erholung haben, fühlen wir uns irgendwann erschöpft und innerlich distanziert. Vielleicht zweifeln wir auch daran, ob wir genug tun und etwas bewirken können.
Eine 2024 veröffentlichte Studie aus der Türkei hat untersucht, ob ein verkürztes MBCL-Programm solche Burnout-bezogenen Symptome bei pflegenden Angehörigen von Palliativpatient*innen verringern und ihr Selbstmitgefühl stärken kann.
Ich freue mich, Ihnen diese Studie hier vorzustellen.
→ Wenn Sie noch nicht mit MBCL vertraut sind, finden Sie hier eine Einführung in das MBCL-Mitgefühlstraining.
Das Wichtigste vorweg: Was zeigt die Studie?
Eine kleine Studie weist darauf hin, dass ein verkürztes MBCL-Programm Burnout-bezogene Symptome bei pflegenden Angehörigen verringern und ihr Selbstmitgefühl stärken kann.
Nach vier Wochen berichteten die Teilnehmenden der MBCL-Gruppe:
- weniger emotionale Erschöpfung,
- weniger innere Distanz,
- ein stärkeres Gefühl persönlicher Leistungsfähigkeit,
- mehr Selbstmitgefühl.
Die Teilnehmenden nahmen ihre Belastung durch die Pflegesituation danach nicht als geringer wahr. Die Ergebnisse sprechen aber dafür, dass sie sich selbst in dieser schweren Situation anders begegneten.
Darin liegt für mich die wichtigste Botschaft der Studie:
Schwierige Situationen sind an sich schon belastend. Wenn wir uns zusätzlich kritisieren, innerlich antreiben oder gegen unsere eigenen Gefühle ankämpfen, kommt weiterer Stress hinzu. Selbstmitgefühl nimmt uns die Situation nicht ab. Es kann aber helfen, ihr mit mehr Freundlichkeit, Offenheit und innerer Stabilität zu begegnen.
Warum pflegende Angehörige stark belastet sein können
Pflegende Angehörige übernehmen häufig über lange Zeit viel Verantwortung.
Sie begleiten einen nahestehenden Menschen durch Krankheit, Schmerzen, zunehmende Hilfsbedürftigkeit und manchmal auch durch das Sterben. Sie organisieren Termine, sprechen mit Ärzt*innen, helfen bei der Körperpflege, wachen nachts und versuchen gleichzeitig, Familie, Beruf und Alltag weiterzuführen.
Dabei bleiben die eigenen Bedürfnisse leicht auf der Strecke.
Viele Angehörige erleben nicht nur körperliche Anstrengung. Hinzu kommen Sorge, Unsicherheit, Traurigkeit, Schuldgefühle und die Frage, ob sie genug tun.
Pausen können sich dann beinahe falsch anfühlen:
Wie soll ich mich ausruhen, wenn es dem anderen Menschen so schlecht geht?
Oder:
Ich muss jetzt einfach weitermachen.
Wenn eine solche Situation lange anhält, können Erschöpfung, innere Distanz und Zweifel an der eigenen Wirksamkeit entstehen.
Genau diese Bereiche standen im Mittelpunkt der türkischen MBCL-Studie.
Was bedeutet „Burnout“ in dieser Studie?
Burnout ist keine eigenständige medizinische Diagnose wie beispielsweise eine Depression. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt Burnout im Diagnosesystem ICD-11 als ein Phänomen im Zusammenhang mit chronischem Stress am Arbeitsplatz.
Die Teilnehmenden der Studie waren jedoch keine professionellen Pflegekräfte. Es waren Angehörige, die ein schwerkrankes Familienmitglied auf einer Palliativstation begleiteten und dabei pflegerische Aufgaben übernahmen.
Die Forschenden erfassten bei ihnen drei Bereiche, die typischerweise mit Burnout verbunden werden:
- emotionale Erschöpfung: das Gefühl, innerlich ausgelaugt zu sein,
- Depersonalisation: distanzierte oder unpersönliche Reaktionen in der Rolle als Pflegende,
- persönliche Leistungsfähigkeit: das Erleben, den eigenen Aufgaben gewachsen zu sein und etwas bewirken zu können.
Die Forschenden erfassten außerdem, wie belastend die Teilnehmenden ihre Pflegesituation wahrnahmen und wie mitfühlend sie mit sich umgingen.
Wenn ich im Folgenden von Burnout-Symptomen spreche, meine ich diese drei Bereiche – nicht eine klinisch festgestellte Erkrankung.
Die MBCL-Studie im Überblick
Die Studie fand zwischen April und Juni 2023 auf der Palliativstation eines Krankenhauses im türkischen Erzurum statt.
Zu Beginn teilten die Forschenden 68 pflegende Angehörige nach dem Zufallsprinzip in eine MBCL- und eine Kontrollgruppe ein. 54 Personen nahmen an der abschließenden Befragung teil und gingen in die Auswertung ein:
- 26 Personen in der MBCL-Gruppe,
- 28 Personen in der Kontrollgruppe.
Die Teilnehmenden waren zwischen 18 und 45 Jahre alt. Die große Mehrheit waren Frauen. Viele kümmerten sich neben der Begleitung im Krankenhaus auch um ihre eigene Familie.
Nach den Aufnahmekriterien lag bei ihnen keine bekannte psychiatrische Erkrankung vor. Viele berichteten jedoch von erheblichen Schwierigkeiten durch die Pflegesituation.
Wie war der MBCL-Kurs aufgebaut?
Die MBCL-Gruppe nahm über vier Wochen zweimal wöchentlich an einer Sitzung teil.
Der Kurs umfasste insgesamt acht Treffen von jeweils 40 Minuten. Er fand in einem Gruppenraum auf der Palliativstation statt.
Die Sitzungen orientierten sich am achtwöchigen MBCL-Programm, waren aber deutlich kürzer und kompakter. Die Teilnehmenden lernten verschiedene Achtsamkeits- und Mitgefühlsübungen kennen und tauschten sich über ihre Erfahrungen aus.
Zusätzlich erhielten sie Audioaufnahmen, mit denen sie zwischen den Treffen selbstständig üben konnten.
Die Kontrollgruppe erhielt während dieser vier Wochen kein vergleichbares Angebot.
Was wurde untersucht?
Vor Beginn des Kurses und nach vier Wochen füllten beide Gruppen Fragebögen aus.
Die Forschenden erfassten:
- emotionale Erschöpfung,
- Depersonalisation,
- persönliche Leistungsfähigkeit,
- wahrgenommene Pflegebelastung,
- Selbstmitgefühl.
Die zentrale Frage lautete: Verändern sich diese Werte in der MBCL-Gruppe anders als in der Kontrollgruppe?
Was hat sich nach dem MBCL-Kurs verändert?
Nach vier Wochen unterschieden sich die Ergebnisse der MBCL-Gruppe in mehreren Bereichen deutlich von denen der Kontrollgruppe.
Weniger emotionale Erschöpfung
Die Teilnehmenden der MBCL-Gruppe berichteten nach dem Kurs weniger emotionale Erschöpfung. In der Kontrollgruppe nahm sie im selben Zeitraum zu.
Emotionale Erschöpfung ist mehr als gewöhnliche Müdigkeit. Sie kann sich anfühlen, als sei innerlich kaum noch etwas von der eigenen Kraft übrig.
Gerade in der Begleitung eines schwerkranken Menschen konnten die Teilnehmenden die Situation nicht einfach verlassen oder nach Feierabend völlig hinter sich lassen. Umso ermutigender ist es, dass sie sich nach vier Wochen weniger erschöpft fühlten.
Weniger innere Distanz
Auch die Werte für Depersonalisation gingen in der MBCL-Gruppe zurück.
Die Teilnehmenden beschrieben also weniger distanzierte oder unpersönliche Reaktionen in ihrer Rolle als Pflegende.
Innere Distanz kann eine Schutzreaktion sein. Wenn Menschen über längere Zeit zu viel Belastung erleben, ziehen sie sich manchmal innerlich zurück oder fühlen sich zeitweise wie abgestumpft.
Das bedeutet nicht, dass ihnen der andere Mensch gleichgültig geworden ist. Es kann ein Zeichen dafür sein, dass ihre Kräfte einfach nicht mehr ausreichen.
Die niedrigeren Werte nach dem Kurs weisen darauf hin, dass sich die Teilnehmenden in ihrer Pflegerolle weniger innerlich zurückgezogen fühlten.
Stärkeres Gefühl persönlicher Leistungsfähigkeit
Nach dem Kurs erlebten sich die Teilnehmenden der MBCL-Gruppe eher als kompetent und wirksam.
Das ist in der Palliativversorgung ein besonderer Punkt.
Angehörige können die Krankheit nicht heilen. Sie können den Verlauf nicht kontrollieren und vieles nicht wieder in Ordnung bringen. Das kann ihre Hilflosigkeit und Selbstzweifel verstärken.
Wirksamkeit bedeutet in einer solchen Situation etwas anderes:
- wirklich da sein,
- aufmerksam zuhören,
- die Hand des nahestehenden Menschen halten,
- für etwas sorgen, das gerade wichtig ist.
Und genau das ist dann sehr viel.
Mehr Selbstmitgefühl
Auch das Selbstmitgefühl nahm in der MBCL-Gruppe zu.
Selbstmitgefühl bedeutet nicht, eine schwierige Situation schönzureden oder sich selbst zu bemitleiden.
Es bedeutet, die eigene Belastung wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Und sich nicht noch zusätzlich dafür zu verurteilen, dass die eigenen Kräfte begrenzt sind. Und so vielleicht früher zu bemerken:
Das ist gerade wirklich viel.
Ich brauche Unterstützung.
Auch meine Bedürfnisse zählen.
Die Teilnehmenden beschrieben sich nach dem Kurs insgesamt als mitfühlender im Umgang mit sich selbst.
Die Belastung blieb – doch der Umgang mit ihr konnte sich verändern
Am Ende bewertete die MBCL-Gruppe ihre Pflegebelastung nicht signifikant niedriger als die Kontrollgruppe.
Das ist nicht überraschend. Der MBCL-Kurs veränderte weder die Erkrankung noch die pflegerischen Aufgaben, die Verantwortung oder die Unsicherheit der Situation.
Ein hilfreiches Bild für diesen Zusammenhang ist das vom ersten und zweiten Pfeil.
Der erste Pfeil steht für das, was bereits schmerzt: eine schwere Erkrankung, die Sorge um einen nahestehenden Menschen, Schlafmangel, Unsicherheit und die Anforderungen der Pflege.
Diesen ersten Schmerz können wir oft nicht verhindern.
Der zweite Pfeil beschreibt den zusätzlichen Stress, der durch unsere Reaktion auf die schwierige Situation entstehen kann:
Ich müsste das besser schaffen.
Ich darf nicht müde sein.
Warum bin ich nicht belastbarer?
Ich versage.
Eine herausfordernde Situation verlangt uns bereits viel ab. Wenn wir uns zusätzlich kritisieren, innerlich antreiben oder unsere Angst, Traurigkeit und Erschöpfung wegdrängen wollen, wächst der innere Kampf.
Solche Reaktionen laufen häufig automatisch ab und begleiten Menschen oft schon viele Jahre. Es geht deshalb nicht darum, jemanden für diesen zusätzlichen Stress verantwortlich zu machen.
Achtsamkeit und Selbstmitgefühl können uns vielmehr helfen, unsere Reaktionen früher wahrzunehmen und uns selbst nach und nach mit mehr Verständnis zu begegnen:
Natürlich bin ich erschöpft. Das ist gerade sehr viel.
Ich muss diese Situation nicht vollkommen bewältigen.
Auch ich brauche Unterstützung.
Selbstmitgefühl verhindert nicht, dass uns der erste Pfeil trifft. Es kann aber helfen, aus dem unvermeidlichen Schmerz nicht noch zusätzliches Leiden zu machen.
MBCL setzt dabei nicht nur an der Selbstkritik an. Das Training lädt dazu ein, schwierige Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen wahrzunehmen, ohne sie sofort unterdrücken, kontrollieren oder wegschieben zu müssen.
Wenn wir uns selbst freundlich begegnen, können wir Belastendes eher halten, ohne uns darin zu verlieren. Erfahren wir, dass wir auch mit schwierigen Gefühlen sein können, kann unser Vertrauen in unsere Fähigkeiten wachsen. Dann erkennen wir klarer, was wir brauchen, und können hilfreicher für uns sorgen.
Andere MBCL-Studien stützen dieses Verständnis. In einer Studie mit Menschen mit wiederkehrenden Depressionen spielte die Zunahme des Selbstmitgefühls offenbar eine besonders wichtige Rolle. Teilnehmende beschrieben außerdem, dass sie schwierigen Erfahrungen mit mehr Freundlichkeit begegnen konnten, ihnen weniger auswichen und mehr Selbstwirksamkeit, Vertrauen und aktive Selbstfürsorge entwickelten.
Die Studie mit den pflegenden Angehörigen hat diesen Ablauf nicht direkt untersucht. Ihre Ergebnisse passen jedoch gut dazu: Obwohl die Pflegebelastung bestehen blieb, berichteten die Teilnehmenden weniger emotionale Erschöpfung und innere Distanz, ein stärkeres Gefühl persönlicher Leistungsfähigkeit und mehr Selbstmitgefühl.
Die Aufgaben und Sorgen blieben bestehen. Möglicherweise begegneten die Teilnehmenden sich selbst jedoch mit mehr Verständnis, kämpften weniger gegen ihre eigenen Reaktionen an und entwickelten mehr Vertrauen in ihren Umgang mit belastenden Gefühlen.
MBCL kann so die innere Regulation unterstützen. Vielleicht hilft es auch, früher wahrzunehmen, welche Unterstützung wir brauchen und wo wir eine Grenze erreicht haben.
Entlastung von außen ersetzt das nicht. Innere und äußere Unterstützung gehören zusammen.
Wie aussagekräftig ist die Studie?
Die Studie liefert sehr ermutigende erste Ergebnisse.
Sie war klein, lief über vier Wochen und fand auf einer einzelnen Palliativstation statt. Zudem gab es keine längerfristige Nachbefragung. Weitere Forschung muss zeigen, ob sich die Ergebnisse in größeren und vielfältigeren Gruppen bestätigen und wie lange die Veränderungen anhalten.
Die Fragebögen zeigen, wie die Teilnehmenden sich selbst erlebten. Die Forschenden untersuchten nicht, wie sich die Veränderungen im Alltag oder in den Beziehungen der Teilnehmenden zeigten.
Fazit: Selbstmitgefühl kann den Umgang mit Belastung verändern
Die türkische Studie liefert sehr ermutigende Hinweise darauf, dass ein verkürztes MBCL-Programm pflegende Angehörige in einer stark belastenden Lebenssituation unterstützen kann.
Obwohl sich ihre wahrgenommene Pflegebelastung nicht signifikant stärker verringerte als in der Kontrollgruppe, berichteten die Teilnehmenden nach vier Wochen weniger emotionale Erschöpfung und innere Distanz, ein stärkeres Gefühl persönlicher Leistungsfähigkeit und mehr Selbstmitgefühl.
Darin liegt die besondere Botschaft der Studie:
MBCL muss die äußere Belastung nicht verringern, um einen Unterschied zu machen. Selbstmitgefühl kann helfen, einer schwierigen Situation nicht noch Selbstkritik, inneres Antreiben und den Kampf gegen die eigenen Gefühle hinzuzufügen.
Wenn wir uns mit mehr Freundlichkeit begegnen, können wir Belastendes möglicherweise offener wahrnehmen, ohne uns davon überwältigen zu lassen. So können Vertrauen, Selbstwirksamkeit und hilfreiche Selbstfürsorge wachsen.
MBCL ersetzt keine praktische Entlastung und – wo sie notwendig ist – auch keine medizinische oder psychotherapeutische Unterstützung. Es kann Menschen aber dabei unterstützen, die eigene Belastung früher wahrzunehmen, sich innerlich zu stabilisieren und sich in schwierigen Momenten weniger hart zu begegnen.
Manchmal beginnt Veränderung nicht damit, dass die Situation sofort leichter wird.
Sondern damit, dass wir aufhören, uns selbst in einer schweren Situation zusätzlich alleinzulassen.
Dieser Artikel ist der zweite Teil einer dreiteiligen Reihe über die wissenschaftlich untersuchten Wirkungen von MBCL. Im ersten Teil ging es darum, wie MBCL bei Selbstkritik und Selbsthass helfen kann.
MBCL und Burnout-Symptome: Häufige Fragen
Kann MBCL einen Burnout verhindern oder behandeln?
Nein. MBCL ist kein Ersatz für eine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.
Ein MBCL-Kurs kann in einer ausreichend stabilen Situation aber eine hilfreiche Ergänzung sein – beispielsweise, um Selbstmitgefühl zu stärken, die eigenen Grenzen bewusster wahrzunehmen und sich bei Belastung weniger hart zu begegnen.
Warum ist es wichtig, dass sich die Pflegebelastung nicht verringerte?
MBCL veränderte nicht die Krankheit, die Pflegeaufgaben oder die Verantwortung der Angehörigen. Trotzdem berichteten die Teilnehmenden weniger emotionale Erschöpfung und innere Distanz, ein stärkeres Gefühl persönlicher Leistungsfähigkeit und mehr Selbstmitgefühl.
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass sich ihr Umgang mit der weiterhin schwierigen Situation verändert hat.
Möglicherweise kritisierten und überforderten sie sich weniger, konnten schwierige Gefühle eher zulassen und begegneten sich selbst mit mehr Verständnis.
Die Belastung blieb. Möglicherweise kämpften die Teilnehmenden innerlich jedoch weniger gegen sie an.
Kann Burnout auch pflegende Angehörige treffen?
Ja. Auch wenn Burnout im ICD-11 eng mit chronischem Arbeitsstress verbunden wird, können Menschen durch unbezahlte Fürsorgearbeit sehr ähnlich erschöpfen.
Pflegende Angehörige leisten oft über lange Zeit sehr viel: organisatorisch, emotional, körperlich und praktisch. Viele tun das zusätzlich zu Beruf, Familie und eigenen Verpflichtungen.
Wenn eigene Bedürfnisse dauerhaft zurückgestellt werden und kaum Erholung möglich ist, kann auch private Fürsorge zu tiefer Erschöpfung führen.
Deshalb brauchen pflegende Angehörige nicht nur Anerkennung, sondern auch konkrete Entlastung, Unterstützung und Räume, in denen sie selbst gehalten werden.
Kann ein MBCL-Kurs praktische Entlastung ersetzen?
Nein.
Achtsamkeit und Selbstmitgefühl können keine fehlende Unterstützung, zu viele Aufgaben oder dauerhaft überfordernde Lebensbedingungen ausgleichen.
Pflegende Angehörige brauchen auch konkrete Entlastung: Unterstützung durch andere Angehörige, ambulante Dienste, Beratungsstellen, Kurzzeit- oder Verhinderungspflege und gegebenenfalls medizinische oder psychotherapeutische Hilfe.
Innere und äußere Unterstützung gehören zusammen.
Wann sollte ich bei starker Erschöpfung professionelle Hilfe suchen?
Bitte nehmen Sie anhaltende Erschöpfung ernst – besonders dann, wenn Schlaf und Erholung kaum noch helfen, Sie sich zunehmend zurückziehen, Ihren Alltag nicht mehr bewältigen können oder depressive Symptome auftreten.
Hinter Burnout-ähnlichen Beschwerden können auch körperliche oder andere psychische Erkrankungen stehen.
Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann mögliche körperliche Ursachen abklären und Sie bei Bedarf an eine psychotherapeutische oder psychiatrische Fachperson weiterverweisen.
Bei einer akuten Krise, Suizidgedanken oder dem Gefühl, nicht mehr sicher zu sein, brauchen Sie unmittelbar professionelle Unterstützung.
Was ist MBCL – und worin unterscheidet es sich von MBSR?
MBCL steht für Mindfulness-Based Compassionate Living – auf Deutsch etwa: achtsamkeitsbasiertes Mitgefühlstraining.
Das Programm knüpft an grundlegende Erfahrungen mit Achtsamkeit an, beispielsweise aus einem MBSR- oder MBCT-Kurs.
Während MBSR vor allem Achtsamkeit und den bewussten Umgang mit Stress stärkt, vertieft MBCL die Praxis durch Übungen zu Freundlichkeit, Selbstmitgefühl und Mitgefühl mit anderen.
Vielleicht mögen Sie nach dem Lesen einen Moment innehalten:
Was belastet mich in meiner Situation bereits?
Welchen zusätzlichen Druck mache ich mir selbst?
Und wie könnte ich mir mit mehr Verständnis begegnen?
Wenn Sie Ihre Gedanken oder eigenen Erfahrungen dazu teilen möchten, hinterlassen Sie mir gerne einen Kommentar. Ich freue mich, von Ihnen zu lesen.
Wenn Sie Achtsamkeitserfahrung mitbringen und Selbstmitgefühl und Mitgefühl vertiefen möchten, finden Sie hier Informationen zu meinen Online-MBCL-Kursen.

Jana Willms
Diplom-Psychologin, Senior-Lehrerin für MBSR und MBCL, MBCL-Ausbilderin und Supervisorin
Seit 18 Jahren begleite ich Menschen in Achtsamkeits- und Mitgefühlskursen. Außerdem unterstütze ich Fachkolleg*innen in Supervision und Weiterbildung. Für mich sind Achtsamkeit und Mitgefühl Übungswege, die Klarheit, Freundlichkeit und Verbundenheit stärken – mit uns selbst, mit anderen und mit unserer Mitwelt.